Kleine Frau – was nun?

Philipp Gärtners «Gold» am Bamberger ETA Hoffmann Theater

Tilda rutscht aus, Tilda rutscht ab. Das kann schnell gehen heute, zumal im großstädtischen Niedriglohnmilieu. Im Debütstück des 35-jährigen Berliner Autors Philipp Gärtner widerfährt Tilda die folgende abschüssige Begebenheit: Ein Pizzabote schneidet die Radfahrerin, diese schlittert ins Autoheck, der einzige Zeuge erweist sich als pizzabrotaffin und damit bestechlich. Tildas Verletzung ist verschmerzbar. Der soziale Folgeschaden eher nicht. Kontostand, Jobsituation, Wohnungsnot – was eh schon prekär war, wird plötzlich prekärer. 

Tilda wundert sich.

Über die Anwältin, die «bei aller Sympathie» nichts machen kann, außer 150 Euro Beratungshonorar abzurechnen. Über die WG, die sie rauswirft, weil sie illegal das Sofa belegt und nun Briefe vom Amtsgericht dort eintrudeln. Über den Kiezcafégast, der ihr «hastiges Humpeln» und den übergeschwappten Latte Macchiato missbilligt. 

Klingt zornig, liest sich aber vor allem aberwitzig, wie Gärtner die ersten Szenen angeht. Unverkennbar spielt das Stück in Berlin. Und unverkennbar gehört Tilda Everywoman zu jener neuen Generation von Young Urban People, die der turbokapitalistische Schleudergang der Gegenwart aus der Mitte an den Rand ...

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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter

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