Kino: Eine ausgesucht eigenwillige Sippe
Wie ihr Name bereits nahelegt, sind die Wunderlichs eine Familie mit betont hohem Unterhaltungsfaktor. Mutter Liliane (Hannelore Elsner) leistet sich eine ausgereifte Altershypochondrie und traktiert ihre Tochter Mimi (Katharina Schüttler) mit melodramatischen Tumordiagnosen. Dagegen wirkt das Krankheitsbild von Mimis Vater Walter (Peter Simonischek) geradezu sozialverträglich. Walter klaut seinen Töchtern ihr (weniges) Geld, um es – tatkräftig unterstützt von Mitpatientinnen aus der Psychiatrie – nach Möglichkeit beim Pferderennen zu vermehren.
Und Mimis Sohn Felix (EWi Rodriguez) – ein waches Kind mit ADHS-Diagnose – sperrt nicht nur seine tantenhafte Lehrerin in den Schrank, sondern hält seine Mutter auch mit zwingender Dialektik auf Trab. Als Mimi am Abendbrottisch die moralisch korrekte Erziehungsberechtigte herauskehrt («Man sperrt doch keine Menschen in den Schrank!»), entgegnet Felix messerscharf: «Aber Frau Schmidt ist kein Mensch!»
Zweite Chancen
Es gibt einige dieser schön lakonischen Dialoge in Dani Levys neuem Film «Die Welt der Wunderlichs». Wie in seiner großen Zocker-Komödie «Alles auf Zucker!» von 2004, in der Henry Hübchen als Billard-Maniac auf Wunsch seiner ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Christine Wahl
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
Den «imaginären Joachim Lux», den «Theater heute» im Interview zu den freien Produktionshäusern in Anspruch nimmt (August/Septemberheft), um mit ihm als Kronzeuge die ohnehin aus dem Ruder gelaufene alte Debatte freie Produktionshäuser versus Stadttheater weiter zu befeuern, gibt es tatsächlich. Hätte man ihn gefragt, hätte er halbwegs kurz Folgendes gesagt: Es...
Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Heinrich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb...
