Keep hanging on

Die Auswirkungen von Rezession und Wall-Street-Crash auf die New Yorker Theaterszene sind noch nicht zu ermessen. Man will Zuversicht zeigen, doch im Hintergrund ist vor allem eines zu spüren: blanke Panik

Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man sich von einem deutschen Kulturjournalisten nicht trüben lassen. Vor allem, wenn er gerade über das Thema sprechen will, das im Begriff ist, New Yorks Kulturszene auf den Kopf zu stellen.



Die schlimmste Rezession, die man in den Staaten seit 1929 erlebt hat, wird mit großer Wahr­scheinlichkeit das Existenz-Aus für eine Reihe von New Yorker Theatern bedeuten. Hinter vorgehaltener Hand befürchten viele Szenemacher sogar ein regelrechtes Theatersterben. Ob es sich dabei um Alarmismus oder Realismus handelt, ist nur schwer abzuschätzen, denn in einer solchen Situation hat man sich einfach noch nie befunden. Der Effekt ist zunächst ein neues strategisches PR-Fingerspitzengefühl. Die Binsenweisheit, dass man über Geld nicht spricht, scheint erst recht dann zu gelten, wenn dieses richtig knapp wird.
   

Bankrott der Spender

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 20
von Daniel Schreiber

Vergriffen
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