Karlsruhe: Gefühle des Verlorenseins
Mehrfach ambitioniert geht dieser Abend an den Start: Mit einem Stück namens «Frauensache», in dem ausschließlich Frauen auftreten und über das Thema Abtreibung streiten, unterstreicht die Schauspieldirektion um Anna Bergmann am Badischen Staatstheater ihren Einsatz für weibliches Empowerment. Zudem ist hiermit erstmals ein Auftragswerk des Erfolgsduos Lutz Hübner/Sarah Nemitz für das Karlsruher Haus entstanden. Und es dreht sich letztlich um das geschlechter- und generationenübergreifende Problem, dass neurechte Propaganda sich in den Diskurs-Mainstream drängt.
Doch selbst damit nicht genug: Weil hierzu auch das Motiv Ausländerfeindlichkeit gehört, arbeitet in der Praxis der linksliberalen Frauenärztin Beate eine syrische Geflüchtete als Sprechstundenhilfe.
Das ist dann doch etwas arg viel Themen- und Thesenlast auf einmal, zumal wenn es, wie bei Hübner/Nemitz üblich, als konventionelles Well-made-Sprechtheaterplay dargeboten wird. Man kann aber auch konstatieren: Es spricht sowohl für das Stück als auch für die Inszenierung von Alexandra Liedtke und für die Spielkraft des Karlsruher Ensembles, dass die rund 100-minütige Uraufführung ein bis zum Schluss spannender Theaterabend ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Andreas Jüttner
Sie haben Scheiße gebaut, und sie wissen es. Ohne bösen Willen, aber dennoch. Lesley (Mona Vojacek Koper), Inga (Charlotte Puder) und Tom (André Hinderlich) sind Mitarbeiter eines US- Kulturmagazins in Deutschland und warten auf den erlösenden Anruf aus New York. Das Vergehen ist das gezeichnete Cover ihres aktuellen Heftes, auf dem eine nackte schwarze Frau zu...
Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigstens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften /...
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
