Jetzt wird’s schmutzig
In einer zentralen Szene von Benjamin von Stuckrad-Barres vor einem halben Jahr erschienenem Roman «Noch wach?» wird eine Baustelle besichtigt. Der Verleger des im Buch als Fernsehsender beschriebenen, aber verhältnismäßig klar als teiljournalistischer Mischkonzern Springer erkennbaren Medienunternehmens führt seine Untergebenen durch den Rohbau der neuen Verlagszentrale und beschreibt, wie hier in Zukunft gearbeitet werden soll: hierarchiefrei, kreativ, high-performing.
Die Szene ist wichtig, weil in ihr das Denken der Figuren offenbar wird, eine wilde Mischung aus kalifornisch inspirierten New-Work-Theorien, libertärem Elitedenken, knallharter Ellenbogenpolitik und einem journalistischen Ergebnis, das am Ende doch wieder auf «Angst, Hass, Titten und Wetterbericht» (Die Ärzte) hinausläuft, formuliert im wunderbar hohlen Marketing-Sprech, den kaum jemand so gut beherrscht wie Stuckrad-Barre.
Für Christopher Rüpings Romandramatisierung hat Peter Baur die Bühne des Hamburger Thalia Theaters erst einmal entleert. Die Baustelle ist tatsächlich ein offener Nicht-Ort, auf dem der ständige Regen tiefe Pfützen hinterlassen hat: «Im Oktober geht er los und ist vor März niemals zu Ende, ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Falk Schreiber
Vorhang auf!» Unter diesem Titel läuft im Rupertinum, schräg vis-à-vis von den Festspielhäusern, derzeit eine Ausstellung mit Theaterfotografien von Ruth Walz, die von 1976 bis 1990 Hausfotografin der Schaubühne war. Der Schwerpunkt der Schau (bis 12. November) liegt naheliegenderweise auf Aufführungen der Salzburger Festspiele, wo Walz in den vergangenen 30 Jahren...
Plötzlich stand da ein Bild von ihm an einer der belebtesten Straßenkreuzungen im Zentrum von Sao Paulo: als Plakatwand der Erinnerung. Und an einem der Wohnhäuser hing über viele Stockwerke ein Banner herab – «Obrigado Zé Celso!» stand darauf, als Dank für das Theaterleben, das da gerade zu Ende gegangen war. Zé Celso Martinez Correa, geboren am 30. Juli 1937 in...
Abends sinken die Temperaturen dann doch unter vierzig Grad. Die steinernen Sitzbänke im weiten Rund des Amphitheaters sind aber immer noch so aufgeheizt, dass man sie gut als Herdplatte nutzen könnte. Das weite Rund oben am Berg, etwas abseits des Küstendorfes Epidaurus, fasst maximal 14.000 Zuschauer:innen. An diesem Abend zugelassen sind «lediglich» 9000. Der...
