Interesse an der Wirklichkeit

Am Staatsschauspiel Dresden prüft Nuran David Calis mit Ensemble und Bürgerbühne die «Zehn Gebote», und Sebastian Hartmann schickt Dostojewskis «Erniedrigte und Beleidigte» in den Strudel des ewigen Moments

Krzyzstof Kieslowskis filmischer Zyklus «Dekalog» war der Versuch, die Zehn Gebote mit der polnischen Alltagswelt der späten achtziger Jahre in Verbindung zu bringen.

Wie sind die in Steintafeln gehauenen Moralgesetze, die der Bibel zufolge Moses einst auf dem Berg Sinai von Gott erhielt, in einer bröckelnd sozialistischen und doch zutiefst katholisch geprägten Gesellschaft noch zu verstehen? Ohne sich je über seine Figuren zu erheben, schlägt Kieslowski immer wieder überraschende Haken zwischen impliziter Kritik an den göttlichen Gesetzen (oder, wahrscheinlicher: Demonstration ihrer Über-Menschlichkeit) – etwa, wenn das Einhalten eines Gebotes zum Verstoß gegen ein ande­res führt –, aber auch an der völligen Abwesenheit metaphysischer Konzepte, wie etwa seine Erzählung zum ersten Gebot zeigt, in der die naturwissenschaftliche Logik zum Gradmesser einer tödlichen Entscheidung für den eigenen Sohn wird.

Nuran David Calis, der sich schon in mehreren Theaterprojekten mit Glaubensfragen monotheistischer Religionen auseinandergesetzt hat, rückt pünktlich zur «Woche der Brüderlichkeit» am Staatsschauspiel Dresden die Tische zusammen. Allerdings tut er dies weniger, um verschiedene ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Neue Stücke · Aufführungen (5/2018)

Aufführungen 

Sag zum Abschied leise Servus: Mit Shakespeares letztem Stück «Der Sturm» verabschiedet sich Intendant Tobias Wellemeyer nach 9 Jahren vom Potsdamer Hans-Otto-Theater; in Zürich hat sich Peter Kastenmüller für Stuckrad-Barres «Panikherz» entschieden, um dem Theater Neumarkt Adieu zu sagen. Auch für Armin Petras geht die Intendantenzeit in Stuttgart...

Theater ist Dialog

Torben Ibs Sie sind seit Anfang der Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus. Haben Sie schon Theater für Nazis gemacht, wie Sie es angekündigt haben?

Jo Fabian Ja, immerzu. Ich will niemanden ausschließen. Als Schauspieldirektor muss ich – anders als als Privatperson – dafür sorgen, dass das Theater seine Pforten für alle potenziellen Zuschauer offen hält...

Daten (5/2018)

Aachen, Theater
12. Albee, Wer hat Angst vor
Virginia Woolf?
R. Michael Helle
17. Depryck, Der Reservist – Arbeiten im 21. Jahrhundert
R. Ulrike Günther
18. Küspert, mensch maschine
R. Marion Schneider-Bast

Aalen, Theater der Stadt
4. Hintze, Wir sind die nebelfreie Stadt

R. Tina Brüggemann, Michael Flechsler und Thomas Haller 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
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