«Der Vogelhändler». Foto: Jerzy Bin

In weiter Ferne so nah

Theater heute - Logo

So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und auch noch stolz darauf ist.

In Konstanz hat das Theater die Kurve gerade noch einmal gekriegt. Gespielt wird hier mit «Welt 3.

0 – Maschinerie Hilfe» ein Stück über Entwicklungshilfe, das sehr nah an den Fakten von den fatalen Missverständnissen erzählt, die das Verhältnis zwischen der westlichen und der afrikanischen Welt bestimmen. Die Unterstützung unterentwickelter Regionen ist längst zu einem nach ganz brutalen kapitalistischen Regeln funktionierenden Gewerbe geworden: Um den Menschen, der auf konkrete Hilfe angewiesen ist, geht es nicht mehr, stattdessen um Millionen-Transfers, um die Interessen von Konzernen und um undurchsichtige politische Absichten. Und der Jubel über die großartige Spendenbereitschaft westlicher Nationen kommt ohne Meldungen, dass Hilfsgelder in dunklen Kanälen versickern, gar nicht mehr aus.
 
K ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Afrika, Seite 67
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Weltbrachenbespielung

Jetzt geht er nach Beirut. Auch so eine Stadt, in der nach 16 Jahren Bürgerkrieg die Brachen reichlich sind. Brachen scheinen Mat­thias Lilienthal zu beflügeln. Und in Euro­pa ist Berlin die Brachenstadt schlechthin, längst nicht mehr kriegs- und kaum noch wendebedingt, sondern vor allem als Folge eines einzigen Planungsdebakels: der neue Flughafen...

Männliches Museumsstück

Was für ein moderner Mann. Wechselt die Frauen wie die Hemden und behandelt sie wie Putzlappen, und wenn sie dabei sanften Widerspruch anmelden, haut er ihnen eine «aufs Maul», wie es dann heißt. Der prähistorische Macho, intellektuell bestenfalls auf Tresenhöhe und nicht einmal zu einem kleinen Raubüberfall in der Lage, trifft zumindest bei Molnar auf die...

Revolutionskuscheln

Erst vor Kurzem beschäftigte das Stuttgarter Staats­schauspiel sich en passant mit Albert Camus’ «Die Gerechten» (1949). Im nahe gelegenen Tübingen folgte jetzt mit Jean-Paul Sartres «Die schmutzigen Hände» (1948) das nächste Stück rund um die Frage, ob der politische Mord zur Durchsetzung hehrer Ideale gerechtfertigt sei. In beiden Fällen greift ein mit linken...