Im Zweifel für den Zweifel
Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich mit anderen Menschen teile, wenn zurzeit auch denkbar undionysisch distanziert und maskiert, anwesend und abwesend zugleich. Fraglos fehlte all dies in den Monaten harter und weicher Lockdowns.
Und dennoch: Nach den gravierenden politischen und sozialen Problemen, auf die die Pandemie uns nun seit fast anderthalb Jahren ununterbrochen hinweist, all die vorhandenen Schieflagen, die sie gnadenlos markiert – von der internationalen Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Sauerstoff wie Impfstoffen bis zur erhöhten Sterblichkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen auch in den Industrienationen –, da muss das Theater nun halt auch erstmal mit. Das steht nun alles im Raum, da kann man schwer zurück zum Kanon, als sei nichts gewesen.
Am Schauspiel Frankfurt gelingt der analoge Neustart in dieser Hinsicht durchaus: Mit Ingeborg ...
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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Esther Boldt
Wann war man eigentlich zum letzten Mal tanzen? Ewig her, natürlich: Clubs sind in der Pandemie wahrscheinlich die Orte, die als allerletzte geöffnet werden, weit nach den Theatern. Aber immerhin das Hamburger Produktionshaus Kampnagel kehrt mit seinem jährlichen Live Art Festival gerade rechtzeitig zum Lockdown-Ende zurück zur körperlichen Kopräsenz, und gleich...
Neun Tage Festival, ein Dutzend Hochschulen, 23 Produktionen: «So viel junges Theater gab es beim Körber Studio noch nie», beschreibt Thalia-Intendant Joachim Lux die Ausgabe des diesjährigen Festivals «Körber Studio Junge Regie». Was euphemistisch nach Rekorden klingt, ist natürlich eine bittere Folge der Pandemie-bedingten Theaterschließungen. Entsprechend musste...
Die fettige Langhaarperücke über der hohen Stirn, die Gänge mit freiem Oberkörper in ausgeleierten Shorts, das maulige Muss-wohl-auch-mal-ne-Jeans-Drüberziehen, wenn’s denn sein soll, diese ganze durchweg herabgedimmte Haltung, mit der Joachim Meyerhoff mal hier, mal dort auf der Bühne lungert, da weiß man, selbst wenn man den Roman noch nicht gelesen hat: Wird...
