Im Schwarzen Land
Anna Gmeyner wurde am 16. März 1902 in ein großbürgerlich-liberales Elternhaus in Wien geboren. Der Vater war Anwalt, die drei Töchter – Anna war die Älteste – wuchsen in einer geistig anregenden Atmosphäre auf. Die Beziehung zu ihrem Vater, sollte die Autorin später feststellen, ist die fundamentalste in ihrem Leben. In einem offenbar autobiografischen Text, der im Sommer 1933 im «Berliner Mittag» erschien, heißt es:
«Von Kindheit auf ist sie entschlossen, berühmt zu werden.
Sooft sie am Wiener Burgtheater vorüberkommt, fragt sie, wie es möglich sei, dort ein Stück unterzubringen. Mit sieben Jahren beginnt sie bereits, einer alten Tante ihre Memoiren zu diktieren.
Das Gefühl der Gemeinschaft und ihrer Verantwortung für diese erwacht schon in ihrer frühesten Kindheit. Mit fünf Jahren weigert sie sich bis zu Tränen, nach Hause zu gehen, da ihre Mutter ihr nicht sagen kann, wo der Bettler schlafen wird, den sie auf der Straße gesehen hat. Mit religiösen Problemen plagt sie sich genau wie mit sozialen. Jeden Abend betet sie für ihre Eltern, damit sie nicht ins Fegefeuer kommen, weil sie weiß, daß sie nicht an alles glauben, was sie in der Schule und von bigotten Dienstmädchen hört. ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 44
von Lisette Buchholz
«Wir Schwarzen müssen zusammenhalten› – eine Erwiderung» – das Titelzitat ist an sich schon eine Steilvorlage für einen postkolonialen Enthüllungszauber, wie ihn das vielköpfige Team um den Regisseur Jan-Christoph Gockel und den deutsch-togoischen Schauspieler Komi Togbonou an den Münchner Kammerspielen präsentiert. Als appropriative Erweiterung des allseits...
Theater heute Sie arbeiten beide an der Schnittstelle von Film und Theater. Jan Speckenbach kommt eher aus dem Theater, wo er zum Beispiel viele Jahre bei Frank Castorf mit Video gearbeitet hat, dreht aber auch eigene Filme. Andreas Morell arbeitet für Film und Fernsehen und führt bei der Aufzeichnung von Theateraufführungen Regie. Wie gestaltet sich für Sie...
In «Sanft und grausam», einer Adaption von Sophokles’ «Trachinierinnen», sagt eine Leibesvisiteurin mit Gummihandschuhen am Flughafen zu einer verzweifelten Frau: «Sie haben eine Waffe versteckt. Ich spüre sie neben ihrem Herzen.» Die Frau antwortet: «Ach, wirklich? Meinen Sie die Liebe?» Aber die Antwort ist: «Nicht Liebe, nein, ich rede von diesem Stachel.» –...
