Im Kaufhaus des Verschwindens
Ob sich die Finanzkrise und ihre Ursachen überhaupt fürs Drama eignen – oder mit Elfriede Jelineks Krisenredewirbel «Die Kontrakte des Kaufmanns» nicht längst mehr als alles gesagt ist – sind berechtigte Fragen. Auf jeden Fall aber bleiben die Folgen der Krise ein Thema fürs Theater. Theresia Walser interessiert sich jedenfalls nicht für ökonomische Theorie oder Kapitalkritik, sondern für ein alltägliches Kulturbiotop, das gerade untergeht.
Herr Ellenbeck, Ende 50, Verkäufer in der Herrenabteilung, hat in «Herrenbestatter» seinen letzten Arbeitstag, und seinen letzten Anzug wird er an eine Leiche verkaufen. Im müden Wirbel der großen Drehtür weht Theresia Walser ihrem Ellenbeck noch einmal ein paar verstreute Kunden und Belegschaftsreste um die Ohren. Zwischen schütteren Kleiderständern, halbleeren Regalen und den Selbstberuhigungstiraden der letzten Verbliebenen feiert sich das Kaufhaus im Verschwinden: der Konsumtempel des späten 19. und 20. Jahrhunderts, der immer mehr war als ein Vertriebskonzept für Gebrauchsgegenstände. Kultstätte der Überflussgesellschaft und Arche Noah der Fußgängerzonen, anonymes Geselligkeitszentrum der urbanen Einsamkeiten, Lebensbegleitrauschen und ...
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Ohlrogge stand in den Pedalen seines Holländer-Fahrrads und fuhr in die Hamme-Niederung, er war schon zu spät.Heute musste er eine sechsköpfige Gruppe aus Oldenburg betreuen, die sich für den Freilichtkurs angemeldet hatte und die ihn bereits links der Brücke auf dem Sandweg erwartete mit aufgestellten Staffeleien, Malplatten, Borstenpinseln und jeweils zwölf...
Das Leben ist bekanntlich ein langer, reichlich ruhiger Fluss. Damit hat sich jetzt sogar Sibylle Berg abgefunden. Nach ihrem die Zweisamkeit leicht resigniert preisenden Roman «Der Mann schläft» heißt die Bühnenversion «Nur nachts», in dem den Mittvierzigern Peter und Petra allerdings ein Geisterpaar den Heiratsplan auszutreiben versucht. Am Wiener Burgtheater...
Im Foyer, das einem Wartesaal gleicht, herrscht das große Flüstern. Das Licht ist gedämpft, nur wenige Zuschauer sind vor Ort. Der Abend verspricht kein kollektives Erlebnis, denn jede Eintrittskarte hat eine eigene Anfangszeit.
Bernhard Mikeskas szenische Installation «Remake::Rosemarie» schickt das Publikum einzeln durch ein enges Raumlabyrinth mit niedrigen...
