Im freien Fall

Kay Voges lädt in «Dies irae – Tag des Zorns» zum Weltuntergang ins Burgtheater, Mateja Koležnik schickt in Maria Lazars vergessenem Einakter «Der Henker» im Akademietheater einen Mörder in die Wiederholungsschleife

Theater heute - Logo

Es gibt in Wien eine wenig schmeichelhafte Zuschreibung, die in der Szene jeder kennt: Am Burgtheater arbeitet man, am Volkstheater macht man Pausen und hält die Tarifverträge ein. Das chronisch unterdotierte und personell unterbesetzte Volkstheater ist das Sorgenkind der ansonsten reichen Theaterstadt: Es gleicht von der Architektur und Größe dem Hamburger Schauspielhaus, muss aber mit einer jährlichen Förderung von 12,4 Mio. Euro auskommen.

Vergleichbare Stadttheater haben deutlich mehr in der Kasse, weshalb Veronica Kaup-Hasler, die neue Kulturstadträtin und ehemalige Intendantin des Grazer Crossover-Festivals Steirischer Herbst, eine Anhebung um jährlich zwei Millionen Euro durchgesetzt hat – und um eine weitere Million vom Bund kämpft. Aber letztendlich sind die Finanzen nur die Spitze des Eisbergs. 

Als Kay Voges diesen Juni als Volkstheater-Nachfolger von Anna Badora ab Herbst 2020 präsentiert wurde, strahlte der Regisseur, der sich in Dortmund einen guten Ruf erarbeitet hatte, über beide Ohren. Er gab unverhohlen zu, dass er sich gar nicht beworben hatte und bisher nur eine Produktion am Haus gesehen hat. Mittlerweile dürfte ihm das Lachen vergangen sein. Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 30
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Thomas Melle: ODE

Figuren

im

ÖFFENTLICHEN RAUM

 

darunter:

 

FRATZER

ORLANDO

PRÄZISA

und 

DIE WEHR

 

Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an. Die WEHR kann stets von verschiedenen Spielerinnen und Spielern oder Gruppen übernommen werden. Das Sprech- und Anschlusstempo sollte möglichst hoch sein.  

  

Man erzähle mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames. Man komme...

Nürnberg: Mit Sprache geschlagen

Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...

Festivals: Der Schatten des Patriarchats

Das ehemalige Skandinavien-Festival «Nordwind» ist mit «Exploring Blankness» mittlerweile ein Hamburger Format Superheldinnen haben es auch nicht leicht. Immer dieser Stress, die Welt vor Bösewichten zu retten! Dazu die schizophrene Situation, die eigene Identität verschleiern zu müssen! Und extrem übersteigertes Selbstbewusstsein und Mut sind auf lange Sicht auch...