Im Dunkel der Dezembernacht

Ein neues Gesetz bringt die ungarischen Theater auf die Straße

Theater heute - Logo

Anfang Dezember fand die bislang größte Theaterdemonstration in Ungarn statt. Drei Repertoiretheater und einige unabhängige Theater riefen zu einer «Demonstration für das freie Theater und die Unabhängigkeit der Künste» auf. Künstler verschiedener Generationen und aus diversen Kunstorganisationen ergriffen das Wort. «Kultur ist ein nationales Gut» wurde zum Motto dieser bewegten Tage.

Der neue Bürgermeister von Budapest, Gergely Karácsony, der kürzlich als Vertreter der Opposition die Kommunalwahlen gewonnen hatte, drückte seine Sorge und Sympathie aus, kündigte den Kampf für die Unabhängigkeit der Theater an und bat – was noch kein Politiker vor ihm getan hatte – die Reichen um Unterstützung der Kultur. Die witzigste und theatralischste Rede hielt der unabhängige Schauspieler und Regisseur Béla Pintér, der im Satireton sagte, dass auch Mitglieder der Regierungspartei Fidesz seine Vorstellungen besuchten, obwohl sie doch die Unabhängigen vernichten wollten. Zur Strafe müssten sie einst in der Hölle mit hervorquellenden Augen die Aufführungen der schlechtesten Theater sehen, die sie jetzt förderten. Unter den Anwesenden waren viele Theatermacher, Politiker und neu gewählte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: International, Seite 52
von Andrea Tompa

Weitere Beiträge
Spezialist für physisches Erzählen

Sebastian Zimmler erzählt aus dem Theateralltag. Repertoire­vorstellung am Hamburger Thalia, er spielt in Christopher Rüpings gegen Ende etwas mäandernder Inszenierung von Benjamin von Stuckrad-Barres «Panikherz», Unruhe im Saal. Und kurz nach der Pause nölt eine Stimme aus dem Publikum: «Laaaaaaaangweilig!» «Ich habe gecheckt, okay, das ist ein Schüler, der sitzt...

Jena: Check your privileges

Sie haben Scheiße gebaut, und sie wissen es. Ohne bösen Willen, aber dennoch. Lesley (Mona Vojacek Koper), Inga (Charlotte Puder) und Tom (André Hinderlich) sind Mitarbeiter eines US- Kulturmagazins in Deutschland und warten auf den erlösenden Anruf aus New York. Das Vergehen ist das gezeichnete Cover ihres aktuellen Heftes, auf dem eine nackte schwarze Frau zu...

Buch: Liebe zum Dreck

Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigs­tens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften /...