Ich bin’s gar nicht

Jean-Paul Sartre «Die schmutzigen Hände» (Schauspiel)

Dieser junge Mann inszeniert das eigene Leben. Ziemlich lange muss er zwar warten zu Beginn, sogar ein paar Mal rausgehen und wieder reinkommen, weil noch nicht passiert, wor­auf er wartet – dann legt er, endlich, los. Fingerschnipps: Musik. Ob allerdings die Geschichte, die nun beginnt, und zwar mit dem Auftauchen der schönen Olga, tatsächlich die ist, auf die der junge Mann sich einzulassen hoffte, darf offen bleiben.

Ohnehin bekommt Hugo, der junge Intellektuelle mit der schicken Boutiqueneinkaufstasche in der Hand, im weiteren Verlauf des Abends noch ein paar Mal Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob er eigentlich in den richtigen Film geraten ist – Cilli Drexel hat für die Inszenierung von Jean-Paul Sartres Nachkriegs- und Revolutionsdenkspiel «Die schmutzigen Hände» ganz auf das Verwechselspiel von Wahrheit und Vision gesetzt, das dem Klassiker eingeschrieben ist.

Immer wieder und plötzlich stoppt ja Hugos Bewusstsein seiner selbst im Prozess einer
tödlichen politischen Intrige im Rahmen der Auseinandersetzungen um das Erbe eines
zerfallenden Staates, immer wieder hält er inne und fragt sich, im Spiel mit der Liebsten Jessica wie im Ringen um die Macht im Umfeld des aalglatten ...

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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Michael Laages

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