Hinter der Jalousie

O’Neill «Trauer muss Elektra tragen»

Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Man­fred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der Mannons darstellen – ein gepolsterter Bunker in signalhaft leuch­tendem Rot macht sich in den Godes­berger Kammerspielen breit.

Sechs Türen führen in den Salon, die, wenn sie sich öffnen, scharfe lange Schatten eindringen lassen. Die Personen bleiben in der Weite dieser Grabkammer isoliert, zudem häufig getrennt von einer Zwischenwand. Größtmöglicher Abstand, um nur ja die Verhältnisse klar zu stellen. Dialoge à la distance. 

Eifersucht ist der zentrale Antrieb der Figuren, bezogen auf Vater und Mutter, Sohn und Tochter, Bruder und Schwester und inzestuöse Regungen, die jeden Blutsfremden zum ausgeschlossenen Dritten stempeln. Jalousien wiederum schaffen – besonders im zweiten Teil der auf amerikanische Verhältnisse übertragenen antiken Atriden-Trilogie mit «Heimkehr», «Die Gehetzten» und «Die Heimgesuchten» – eine ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 40
von Andreas Wilink

Vergriffen
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