«Wir sind fremde»

Johanna Wokalek und Jens Harzer lesen Bachmann und Celan: «Herzzeit»

Wie alle großen Liebesgeschichten ist auch diese tatsächlich ein Märchen. Im vergangenen Jahr schauten viele Leser erstmals hinter das gut gehütete, lange Zeit tabuisierte Geheimnis zweier Dichterseelen, als deren Briefwechsel vollständig ediert wurde. Vielleicht war es eine unmögliche Liebe: der in Czernowitz geborene Jude Paul Celan, dessen Eltern im Vernichtungslager umgekommen waren, die Klagenfurterin Ingeborg Bachmann, deren Vater sich lange vor dem «Anschluss» 1938 in der damals noch illegalen österreichischen NSDAP engagiert hatte. Am 16.

Mai hatte die Philosophiestudentin den staatenlosen Juden in Wien kennengelernt; es begannen Wonnewochen, über die sie ihm im folgenden Frühling nach Paris schreibt: «Bald ist der Frühling wieder da, der im Vorjahr so seltsam war und so unvergesslich. Ich werd gewiss nie mehr durch den Stadtpark gehen, ohne zu wissen, dass er die ganze Welt sein kann.» 

 

Celan hatte den Briefwechsel mit seinem ihr gewidmeten Gedicht «In Aegypten» im Juni 1948 eröffnet; viele seiner Dichtungen in den kommenden Jahren galten ihr. «Corona» bezog sich früh auf beider erotische Begegnung: «Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:/wir sehen uns ...

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Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Alexander Cammann

Vergriffen