Hartes Brot

Ibsen «Wildente»

Theater heute - Logo

Nicht versöhnt» hieß die Straub-Verfilmung von Heinrich Bölls «Billard um halb zehn» über das Sich-Arrangieren der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die nie aufgehört hat, vom Sakrament des Büffels zu essen. Auf dem Brot der frühen Jahre und seinen hart gewordenen Krusten kaut Armin Petras herum, wenn er am Schauspiel Köln Ibsens Enthüllungsdrama «Die Wildente» ins Korsett der vergessensseligen jungen Bundesrepublik schnürt.

 

 

Auf Videos, die seitlich den papierenen Bühnenprospekt flankieren, flimmert links der nazistische «Untergang» an der Ostfront, während rechts im Bombenregen jener Wald abgefackelt wird, den der alte Ekdal in einer finanziell unseriösen Transaktion losgeschlagen hat und dafür büßen muss, indem er seine bürgerliche Reputation verlor. Sein Partner Werle «wusste von nichts». So repräsentiert er, von Michael Altmann in den Frack jovialer Bonhomie gekleidet, allgemeine Amnesie. Man wich brennenden Fragen aus, deutete eigene Schuld zu einem fremd verhängten Unglück um, zahlte «Wiedergutmachung» und bewerkstelligte ansonsten emsig den Aufstieg. Noch mal «jot jejange», wie man auf kölsch sagt. Wer da nicht mitmachte, vertrat Ansichten eines Clowns.

 

Als ob wir ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2005
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vermessungen der Liebe

Auch wenn es für derartige Prognosen vielleicht noch etwas früh ist, Sarah Kanes schmales Werk dürfte aller Voraussicht nach zu dem Wenigen gehören, was von der Dramatik der neunziger Jahre bleiben wird – eine Entwicklung, die es mit sich bringt, dass die fünf Stücke, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie explosives Gefahrengut in der schmuddelbunten Welle der...

Die Kunst der Fuge

Ein junger Mann von engelhafter Schönheit bricht in die gediegene Langeweile einer Mailänder Industriellenfamilie, bringt erotische Erleuchtung und hinterlässt Chaos und Wahnsinn. Nacheinander lassen sich die Familienmitglieder mitsamt dem Dienstmädchen von dem mysteriösen Gast faszinieren und verführen, der so plötzlich wie er gekommen ist auch wieder...

Neue Arbeit statt Anerkennungsnot

Franz Wille Wie fühlt man sich, wenn man ein Stück über Arbeitslosigkeit geschrieben hat?

 

Moritz Rinke Wie ich mich «fühle»? Das klingt ja so, als arbeite jetzt Waldemar Hartmann von der Sportschau bei «Theater heute». Wenn Sie allerdings meinen, ob es nicht etwas sonderbar sei, ein Jahr an einem Stück zu arbeiten, das davon handelt, dass andere nicht arbeiten …

...