Knallfroscheffekte

nach Dostojewski «Die Zeit der Besessenen» (Thalia Theater)

Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht.

Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte Generation» auf einem abgewrackten Militärflughafen in Amerika zusammentreffen, um eine zeitgenössische Terrorvariante aus Nihilismus, Sinnsuche, Sex und Suff zu reenacten, bringen die paar Dostojewski-Sätze, die ihnen ihr ungarischer Regisseur noch zumutet, nur im Wodka-Vollrausch und im Habitus hundertprozentigen Unverständnisses über die Lippen. Böses im Schilde führen sie trotzdem, auch wenn das lange kaum auffällt. Denn dass man mit Dostojewskis nichtsnutzigen Möchtegern-Revoluzzern auch fernab aller ideengeschichtlichen Großdispute eine desparat-fröhliche Knallfrosch-Party im Irgendwo feiern kann, hat schon Frank Castorfs Variante von 1999 an der Berliner Volksbühne aufs Schönste bewiesen.

In Márton Aghs detailgenau und atmo­­-sphä­re­reich versifft nachgebildetem Schrott-Tower auf watte-eingeschneitem Flugfeld geht ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Barbara Burckhardt