Haltet den Dieb!

Über die deutsche Erstaufführung von Martin Crimps «In der Republik des Glücks» am Deutschen Theater Berlin

Eigentlich dürfte Martin Crimps «In der Republik des Glücks» gar nicht so schwer zu inszenieren sein, gerade wenn man von höherer Regiekunst mal absieht. Der erste Teil ist eine Fingerübung in schwarzer Komödie: Eine reizende Familie sagt sich beim trauten Weihnachtsessen so ziemlich alles, was sie noch nie von sich hören wollte. Was natürlich einen respek­tablen Grad an bürgerlichem Illusionstheater vor­aussetzt, um nicht bloß albern zu sein.

Der zweite Teil ist eine figurenfreie Sammlung von Statements über die «Grundfreiheiten des Individuums», unterteilt in fünf Kapitel zu Themen wie Therapie, Schönheitswahn oder Selbstbestimmung: eine sarkastische Steigerung von Bekenntnistexten angeblich freier Individuen, die immer absurder und unfreier werden und natürlich die Fähigkeit zu Ironie und Sarkasmus voraussetzen. Der dritte Teil ist noch eine kleine Zweipersonen-Studie zu den Szenen einer glücklichen Wohl­standsehe, der mit jedem Wort die Wirklichkeit weiter entgleitet. Dafür gibt es in der Theater- und Filmgeschichte Beispiele. Soweit also drei lösbare Aufgaben.

Regisseur Rafael Sanchez und Bühnenbildnerin Janina Audick haben alle drei souverän ignoriert. Der erste Teil ist in ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Akteure, Seite 35
von Franz Wille

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...

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