«Hallo?! ... Hörst du mich noch?!»

Das Berliner Ensemble bietet jetzt Spaziergänge via Telefon an. Ob das funktioniert und wie es sich anfühlt – ein Selbstversuch

Theater heute - Logo

Okay, es ist dunkel, nasskalt und windig, und ausgerechnet jetzt soll ich spazieren gehen. Freiwillig würde ich bei so einem Wetter ja keinen Fuß vor die Tür setzen, aber ich bin verabredet, also führt kein Weg drumrum. Genauer gesagt habe ich mich zum sogenannten «BE Walk Spezial» angemeldet, einem Spaziergang auf Distanz, mit dem das Berliner Ensemble sein Publikum während der coronabedingten Theaterschließungen bei Laune halten will. Ein ähnliches Format hatte das Haus auch schon im Frühjahreslockdown angeboten.

Damals durfte man sich allerdings noch von Angesicht zu Angesicht treffen, um beim gemeinsamen Flanieren mit einem Unbekannten über Gott, die Welt und das Theater zu sprechen. 

Wegen der hohen Infektionszahlen hat das BE sein Format nun noch einmal modifiziert: Jetzt soll man schön alleine spazieren gehen und sich dabei mit einem per Los zugeteilten Theatermitarbeiter via Handy unterhalten. Na, das kann ja heiter werden, denke ich, Telefongespräche führe ich gerade eigentlich mehr als genug. 

Kurz bevor es losgeht, werden mir noch ein paar Impulsfragen zugeschickt: «Was bedeutet Theater für Sie?» – «Welches Motto würden Sie einer ‹Gesellschaft der Zukunft› in der Sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Anna Fastabend

Weitere Beiträge
Die Gesetze im Netz

Warum wird im Theaterbetrieb so dringlich über Digitalität gesprochen, als hinge die Zukunft der Kunst davon ab? Aber kaum in Clubs und Konzertlokalen, obwohl die im Gegensatz zu den Theatern tatsächlich sterben? Die einfache Antwort ist: Weil man kann. Weil dafür Geld da ist. Etwas längere Antworten gibt es im Band «Netztheater» von berufener Stelle, denn der...

Von Machtmenschen und Landarbeitern

Im Winterlockdown produzieren die Theater Konserven. Nicht wie im Frühlingslockdown, als die Theater nur von alten Konserven lebten. Nun werden Vorräte für den Frühling oder Sommer angelegt. Für irgendwann, wenn es wieder losgeht mit der leiblichen Kopräsenz. Die Streaming-Premieren sind nur Geschmacksproben für später Wiederaufzuwärmendes. 

So zielt Jürgen Flimms...

Über Gorillas, Schuppentiere und das Theater

Sehr verehrte Damen und Herren, wenn ich hier stehen werde, das hatte ich mir vor Monaten geschworen, dann würde ich eine Rede halten, in der das Wort Corona überhaupt nicht vorkäme. Ich wollte gerne daran glauben, dass inzwischen die Gefahren und Schrecken dieses Jahres überwunden sein würden. Aber dem ist nicht so.

Wir wissen nicht, wir können nicht wissen, was...