Greatest Hits
Tun wir es wieder / Und wieder / Und wider die Natur», singen Géraldine Schabraque und Sarah Plochl in der Kantine, die als Treffpunkt der queeren Subkultur im nationalsozialistischen Hamburg fungiert. «Wider die Natur» verbindet als elektronisch grundierter TripHop «Die Namenlosen – Verfolgt in Hamburg» aus seinem historischen Bezug heraus mit der Gegenwart. Er ist aber auch gleichzeitig ein einschmeichelnder Popsong, der das Immer -sionstheater der Wiener Gruppe Nesterval durchzieht.
«Die Namenlosen» erweist sich so weniger als harter Stoff denn als massentaugliches Melo -dram: ein Panoptikum, in dem ein Arzt (Johannes Scheutz) das eigene Begehren hinter forcierter Systemnähe versteckt, ein Fotograf (Martin Finnland) und eine Schauspielerin (Gisa Fellerer) glauben, durch eine Scheinehe geschützt zu sein, und ein trauriger Vater (Alkis Vlassakis) seinen mittlerweile als Frau lebenden Sohn vermisst.
Nesterval sind regelmäßig zu Gast beim Internationalen Sommerfestival Hamburg, und Qualität wie Problematik von «Die Namenlosen» können als typisch für das seit zehn Jahren von András Siebold geleitete Festival gesehen werden. Regisseur Martin Finnland arrangiert ein Tableau von ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Falk Schreiber
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