Glasperlen im Nebel

Jon Fosse «Ich bin der Wind»

Zwei Männer auf Segeltörn, auf dem trunkenen Schiff: Der Eine und Der Andere. Wir vermuten, dass das nur zwei Namen sind für ein- und denselben, nämlich den Autor. Jon Fosse schreibt hier sein poetologisches Programm als Stück auf. Könnte man sagen. Ziemlich kurze Pause. Vielleicht auch nicht. Pause. Oder doch. Kurze Pause.

Nach diesem Abend fühlt man sich gleich ein Stück älter, weil man denkt: Dieses Alles-ist-möglich-und-interessant-Gefühl ist total neunziger Jahre. Aber wie gesagt, man könnte auch sagen, das sei ein poetologisches Programm.

Der Andere sagt dann etwas wie: «Alles ist irgendwie ausgedacht, gemacht, irgendwie, alles passiert trotzdem in Worten ...» Der Gedanke als Tat, das Wort als Aktion. Der Andere ist Fosse, der Fosse zu verstehen sucht – Leser, Zuschauer seiner selbst. Und Der Eine wäre dann wohl Fosse, der schreibt. Der Dinge sagt wie: «Ich mag es leicht zu sein.» Oder auch das Gegenteil. Worte als Worte. Ohne Gewissheit von Sinn. Der Eine – der Autor – verschwindet am Schluss (er ist ja auch der Wind). Der Andere – der Zuschauer – kämpft einsam um sein Leben. Eine hübsche, hauchdünn absurde Pointe.

Man kann die Pointe und den Titel des Stückes auch als ...

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Theater heute April 2009
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Tobi Müller

Vergriffen