Geschichten, die man kleinen Mädchen

Roland Schimmelpfennigs «Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes»

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Auf einem niedrigen Tisch liegt eine Plastikpuppe der Marke «Peggy Pickit», die als Geschenk für ein afrikanisches Kind gedacht ist. Außerdem eine aus Afrika stammende, kleine, handgeschnitzte Holzpuppe, die ein Kind der westlichen Welt bekommen soll. Die beiden Mädchen, für die sie gedacht sind, werden die Puppen wahrscheinlich nie bekommen. Das afrikanische nicht, weil es vielleicht schon gar nicht mehr lebt, das andere nicht, weil die Holzpuppe Träger von Geschichten ist, die man kleinen Mädchen gerne ersparen möchte.



Es ist so eine Sache mit diesen zwei Welten – der so genannten «Ersten» und «Dritten». Wie umgehen mit der Ungleichheit, der Verantwortung, der Schuld? Von Kindheit an konfrontiert mit Filmen aus der Sahelzone, mit Bildern verhungernder Kinder, mit Spendenaufrufen der Böhms und Geldofs, bemühte unsere Generation ihre Konten und fühlte sich danach eventuell ein wenig besser. Auch in «Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes» geht es um Spenden und um die schon etwas seltener vorkommende Vororthilfe. Formen von Hilfe, die heute nicht mehr angebracht scheinen, da Afrika selbst sich zunehmend gegen Bevormundung, Stigmatisierung, ja sogar Mitleid wehrt und stattdessen ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 195
von Sonja Anders

Vergriffen
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