Gefangen im Cyberreich
Pas ça!» Mit einer Handbewegung wischt John Porto alles fort. Malt das Geschehen schwarz. Die sieben Revueengel, seiner Willkür ausgeliefert, nennen ihn ehrfurchtsvoll Papa, weil er sie aus dem Dunkel ans Licht holt und sie mit seiner Auslöschformel wieder dahin verbannt. Zurück ins blinde Geschehen. Im Papa hallt das «Pas ça!» nach, aber Papa ist auch eine Verkleinerungsform von Gott. John Porto ist ein Magier des Cyberspace, Herr über Existenz und Nichtexistenz, der Darsteller einer obskuren Zauberposse.
Niemand der Beteiligten kennt seine Rolle, die er in der Revue zu spielen hat, aber alle teilen sie dasselbe Begehren: überhaupt eine Rolle zu spielen, sich aus dem Schattenreich des nicht einmal Geträumten wenigstens für einen Moment ins Schlafbewusstsein der Menschen zu stehlen.
Gelingt dies, John Porto sei Dank, stehen die bis dahin Ungeträumten plötzlich verdattert im Rampenlicht dieser skurrilen Bewusstseinsshow: Der «Livrierte», ein Kammerdiener ohne Kammer, von seinem eigenen Auftritt überrumpelt: «Man hat mir nicht gesagt, was ich sagen soll. Ich weiß beim besten Willen nicht, worum es geht.» «Irgendwann», entgegnet John Porto, «tritt jeder Mensch in eine fortlaufende ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 197
von Plinio Bachmann
Thomas Arzt ist 27. Er kommt aus Oberösterreich und ist in einem Dorf aufgewachsen. 2000 Einwohner hat es, und Theater war dort, auf dem Land, mehr als genug. Da gab es eine Laienbühne, an der der Großvater eine große Rolle spielte. Es gab einen Saal mit Drehbühne, einen Fundus und viele schöne Geschichten. Und wenn andere einen Dachboden ihr Refugium nennen...
Es ist noch nicht so lange her, da ging man in diesem Outfit eher auf ein Brian-Adams-Konzert. In Karohemd und enger Jeans. Auf Du-und-Du mit dem ehrlichen Rocker. «In the Summer of ’69» (anno 1984). Und jetzt ist das das Outfit für die Volksbühne, für Fabian Hinrichs zumindest. Noch ein Handshake im Saal mit Christoph Schlingensief vor der Premiere, ein Hallo zum...
Eigentlich hatte die Inszenierung bei mir im Vorfeld schon gewonnen! Der Wirtschafts- und Finanzcrash bringt ja zurzeit geballte Krisenfolklore über das Theater: Überall strampeln wackere, redliche «kleine Leute» in existenzieller Verzweiflung gegen skrupellose Zigarren-Kapitalisten und/oder Pokerface-Banker an, was naturgemäß den Vorteil hat, dass sich neunzig...
