«Gastfreundlichkeit ist bei uns nicht Sitte!»

Antú Romero Nunes und das Hamburger Thalia verorten Kafkas «Schloss» im tiefsten Dunkeldeutschland

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Solch ein Eiserner Vorhang ist ein hübsches Ausschlussinstrument. Olga (Cathérine Seifert) und Barnabas (André Szymanski) haben irgendwie einen Weg nach vorn entdeckt, jetzt stehen sie an der Rampe und kommen nicht zurück. Also wenden sie sich ans Publikum, an den Fremden, und dem erzählen sie die Geschichte vom Feuerwehrfest: Wie einst der Beamte Sortini ihrer Schwester Amalia auf besagtem Fest ein unsittliches Angebot gemacht habe, wie Amalia dieses Angebot zurückgewiesen habe und wie daraufhin das gesamte Dorf die Familie geschnitten, sie zu Aussätzigen gemacht habe.

Und der Fremde versteht, wo er hier gelandet ist: unter Duckmäusern, die in vorauseilendem Gehorsam die Existenz einer Familie zerstören, als Strafe für ein Vergehen, das im Grunde gar kein Vergehen ist.

Dass Antú Romero Nunes bei seiner Inszenierung von Franz Kafkas Romanfragment «Das Schloss» am Hamburger Thalia Theater die (in der Vorlage eher periphere) Geschichte eines sexuellen Übergriffs als Einstieg wählt, hat zwei Effekte: Nunes lenkt so den Blick weg von der allzu naheliegenden Interpretation des Romans als Satire auf überbordende Bürokratie, hin zum sozialen Mikrokosmos Dorf. Und er etabliert durch die ...

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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 10
von Falk Schreiber

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