Auf den Standpunkt kommt es an

"Failed States One: Somalia", das neue Stück von Hans-Werner Kroesinger. Christine Wahl über seine Arbeitsweise aus TH 6/2010

Natürlich sind wir Kulturkonsumenten politisch wahnsinnig gebildete Zeitgenossen. Sobald es allerdings um etwas mehr als die (griechische) Staatspleite oder Guido Westerwelles Vorstellungen von «spätrömischer Dekadenz» geht, können sich durchaus Wissenslücken auftun. Wieso bissen sich zum Beispiel Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei ihrem Treffen am 1.

August 1961 im Kreml – dreizehn Tage vor dem Bau der Berliner Mauer – an einem Misserfolg in der ostdeutschen Kartoffelernte fest? Welche Rückschlüsse zogen Ärztinnen im Kosovokrieg aus den Wundrändern tödlich Verletzter? Und mit welchen Winkelzügen versuchten Systemträger des südafrikanischen Apartheid-Regimes, vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission ihre Schuld zu relativieren?

Solche Lücken schließt der 48-jährige Dokumentartheatermacher Hans-Werner Kroesinger auf einem Niveau, das Theatergängern vergleichsweise tiefe Denkfurchen in die Stirn prägt. 2.000 Lektüre-Seiten, sagt er, könnten bei der Vorbereitung auf ein neues Projekt schon zusammenkommen. Die fünf Zeitungen, die Kroesinger jeden Morgen durchblättert, sind da wahrscheinlich noch gar nicht eingeschlossen. Und egal, wie stark der Regisseur die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2010
Rubrik: Hebbel am Ufer, Seite 25
von Christine Wahl

Vergriffen