Frau als Strafe

Justine del Corte «Die Ratte»

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Frauen sind manchmal auch nur die besseren Männer: Die Haken, welche Justine del Corte dem Geschlecht der Töchter verpasst, tragen einen sexistischen Punch in sich, den zeitgenössische Dramatiker in der Regel scheuen. Schon der Erfolg von Yasmina Rezas «Der Gott des Gemetzels» legte die Vermutung nahe, dass Mann gerne über sich selbst lacht, so lange die Frauen bloß noch fieser gezeichnet werden. In del Cortes «Die Ratte» geht der KO deshalb OK, weil er unpsychologisch rasch bereits in der ersten Runde passiert – und dann immer wieder von neuem.

Der Krieg der Schwestern Isabell (schwanger) und Maria (unschwanger) profitiert von der überzogenen Komik der Wiederholung.

Was in diesem Stück wirklich auf dem Spiel steht, ist etwas schwieriger zu erraten. Oder «schwieriglicher», wie Marias Freund Nick sagt, mit dem die Deutsche in New York ein nur halb erfolgreiches Leben als Gestalterin führt. Nick (Maik Solbach) trägt metrosexuelle Designerware, tischt Champagner und Weichmachermusik von Moby auf, ist ein überforderter Mediator und demnach Schweizer, was in Zürich für einige Lacher gut ist (auch wenn seine Fallfehler besser recherchiert sind als das «schwieriglich»). Doch man versteht ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Tobi Müller

Vergriffen
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