Frankfurt: Wer tickt am Schönsten?
Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn» beginnt, der neue Abend von Helgard Haug (Rimini Protokoll) in Frankfurt.
Er ist die zweite Kooperation von Schauspiel Frankfurt und Künstlerhaus Mousonturm, Stadttheater und Freier Szene, und findet – wie schon Forced Entertainments «Out of Order» 2018 – im bildschönen Bockenheimer Depot statt.
Während der Saal sich also füllt, der heute auch mit einigen Sofas und Sesseln bestuhlt ist («für Leute, die mehr Bewegungsfreiheit brauchen»), tönt es schon. Und es braucht eine Weile, um die Quelle dieses Tönens zu orten, dieses Pfeifens, Klackerns und Maunzens: In einer der vorderen Reihen sitzt ein schlaksiger, schwarz gekleideter Mann, der nun beginnt zu erzählen, dass er selbst es vermeide, ins Theater zu gehen: «Viele Reize, viele Konventionen, viele Regeln», sagt Benjamin Jürgens. Und dann ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Esther Boldt
Michael Merschmeier Sie schreiben in Ihrem autobiografischen Buch «Ich stehe zur Verfügung»: «Kuhstall war der eine Geruch meiner Kindheit, der andere war Weihrauch.»
Peter Simonischek Schreib ich das wirklich? (lacht laut)
MM Tun Sie. Kuhstall und Kirche vermitteln Geborgenheit, Gemeinschaftsgefühle. Ein gutes Ensemble kann auch eine Gesellschaft wie eine...
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