Luana Velis und Ensemble; Foto: Robert Schittko/Schauspiel Frankfurt

Frankfurt: Stillstand mit Birkenwald

Péter Kárpati «Das Ministerium der verlorenen Züge» (U)

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Warme Kleidung braucht man, denn in Sibirien wird große Kälte durchfahren, erzählt der wendige Reiseleiter mit der Fellmütze. Aber auch dünne Sachen sind gut, vielleicht sogar Badehosen, am Zielort Peking sind 30, 40 Grad zu erwarten. Wem noch etwas fehlt, der kann es ja schnell im Kaufhaus gegenüber besorgen, bevor der Zug abfährt. Die letzten Reisenden wehen heran, mit Mänteln, Kopfhörern, Rucksack. Einer hat eine Espressomaschine dabei und eine Kochplatte, was man halt so für unverzichtbar hält auf langer Fahrt.

Und dann geht es los, die Türen schließen sich, und zurück bleibt – der Reiseleiter, der bass erstaunt am Bahnsteig steht, bevor er sich aufrafft, losläuft, doch die Türen sind zu und werden sich für ihn nicht wieder öffnen. Er ist der erste Verschollene auf einer langen Fahrt.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen? Ja, genau! Es kann allerdings passieren, dass der Reisende nichts Neues erzählt, sondern nur Bekanntes in ein anderes Lokalkolorit kleidet. Das Schauspiel Frankfurt hat, mit großzügiger Förderung des Kulturfonds Rhein-Main, den un­ga­ri­schen Regisseur Viktor Bodó und sein 13-köp­figes Team auf eine knapp vierwöchige Recher­che­reise geschickt: ...

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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Esther Boldt

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