Der Geist von Wilmersdorf

Ist der Faden zwischen Theater und Gesellschaft gerissen? Oder geht der Riss nur durch ein Publikum aus Religiösen und Kunstgottlosen, Ossis und Wessis, Kopf- und Bauchmenschen?

Der Kassandra-Spruch war noch im April gefallen. Hor­tensia Völckers, die Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hatte ihn auf der Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen auf die Frage nach der (nicht zuletzt fi­nanziellen) Zukunft des Festivals verkündet: «Der Faden ist ge­rissen.» Wer noch rätselte, ob die Verbindung zwischen Theater und Ge­sellschaft im Allgemeinen oder dem Theatertreffen und seinem Publikum im Besonderen gemeint war, für den wurden schon wenige Tage später Faden wie Riss erschreckend greifbar.



Da war zum einen die Verleihung des Joana-Maria-Gorvin-Preises an die Schauspielerin Jutta Lampe. Ein willkommener Anlass für ihre Lebens- und Arbeitsgefährten, nicht nur wie Peter Stein Einblicke in eine gesunde chauvinistische Geisteshaltung (vgl. auch das herrlich aufschlussreiche Interview in TH 5.10) zu gewähren, sondern wie Botho Strauß mit ein, zwei Unterstellungen das Theater der Gegenwart vom Tisch zu wischen: «Es lebt von wechselnden Moden, nicht von Geschichte mit Vorlauf und Folgen, jede seiner Perioden bleibt folgenlos. Es verleugnet sich zugunsten der Reportage, der Installation, der billigen Kunstmarkt­kopie, des Entertainments, des ...

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Theater heute Juli 2010
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt

Vergriffen