Nachts im Museum

Jon Fosse «Meer» am Schauspielhaus Zürich

Eigentlich könnte man auch nur dieses Bühnenbild betrachten. Ein Schiff auf einem goldenen Meer unter einem goldenen Himmel, gediegen, vergangen, das gleiche Motiv auf allen Bildern einer Galerie. Da fühlt man sich sofort ohnmächtig. Weil das System so geschlossen ist. So gewaltig und erhaben. Und zugleich so offen. Weil dieses eine Bild durch seine Multiplikation ja auch immer die gleiche Geschichte erzählt. Aber vielleicht doch immer ein bisschen anders. Dem Betrachter gemäß. Der wie bescheuert um seine blöde Individualität kämpft.

Obwohl er nichts weiter ist als die Reinkarnation eines winzigen Partikels aus einem riesigen Kollektivnarrativ. Irgendwie so. Irgendwie Fosse. Irgendwie Knausgard. Norwegischer Fatalismus halt.

An diesem Punkt könnte man das Theater wieder verlassen, denn die Bühne, nein, die Installation von Muriel Gerstner sagt schon alles, fasst die Essenz von Fosses «Meer». Aber da fängt das Ding ja erst an! Da kommen sechs Menschen und suchen – keine Ahnung, was. Das Glück?

Ihren Autor? Sich selbst? Einander? Einen Sinn? Sprache? Oder sind wir etwa ganz woanders, und Jon Fosse hat hier gar nichts Eigenes versucht, sondern bloß Amenabars «The Others» ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 70
von Simone Meier