Entthronung der Päpste

Das Festival von Avignon auf der Suche nach neuen Formen

Die Heinzelmännchen sind am Werk. Sie hämmern und sägen, sie klopfen und stechen und zerstören alles, was ihnen unter die Finger gerät. Dann setzen sie es neu zusammen. Im Untergrund, offenbar unter dem Cloî­tre des Célestins (unverkennbar der mittelalter­liche Kreuzgang mit den beiden Platanen), bearbeiten sie ihre Fundstücke. Eine Damenhandtasche, ein Taschenbuch, sind es die Dinge, die die Zuschauer liegengelassen haben? Nein, auch ein Beichtstuhl, ein bemitleidenswerter Stoffhund.

Ohne Zögern geht ihm Mütterchen Schnurrbart mit der Säge an die Schnauze, ein feister, glänzender Engerling.

Keule gegen die Hochkultur

«Oncle Gourdin» heißt das Spektakel, mit dem sich Sophie Perez und Xavier Boussiron in Avig­non vorstellen: «Onkel Knüppel», und da wird nun mit der großen Keule angerichtet, sozusagen. Man kann sich die Heinzelmännchen ja gut vorstellen in der mittelalterlichen Stadt. Wenn auch eher sanft an einer Laute zupfend und singend, «Sur le pont d’Avignon» zum Beispiel. So zeigen sie sich tatsächlich, aber nur in der ersten Minute. Da drapieren sie sich apart unter die Renaissance­bögen des Zölestinerklosters; es dauert nicht lange, die Lautenklänge werden wild und punkig.

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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Andreas Klaeui