Festivals: Der Schatten des Patriarchats
Das ehemalige Skandinavien-Festival «Nordwind» ist mit «Exploring Blankness» mittlerweile ein Hamburger Format Superheldinnen haben es auch nicht leicht.
Immer dieser Stress, die Welt vor Bösewichten zu retten! Dazu die schizophrene Situation, die eigene Identität verschleiern zu müssen! Und extrem übersteigertes Selbstbewusstsein und Mut sind auf lange Sicht auch nicht gesund! Carolin Jüngst und Lisa Rykena untersuchen mit «She Legend» Muster weiblichen Superheldinnentums und geben so die Tonlage des 2019er-«Nordwind»-Festivals im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel vor: popkulturnah, ironisch und genderbewusst. Als dicht gewobener Diskurs jedenfalls funktioniert der Abend glänzend, von der sportiven Lässigkeit der Performance über Lea Kissings zwischen Markenlogo, Vulva und Discokugel schillernde Bühnenskulptur bis zur Frage, was es eigentlich über das hierarchische Theaterverständnis der Produktion aussagt, wenn die starken Künstlerinnenpersönlichkeiten Jüngst und Rykena dem bewusst entindividualisierten Chor Klub Konsonanz gegenübergestellt werden.
Was «She Legend» nicht ist: ein Einblick in aktuelle Tendenzen des nordischen Theaters, angesichts der Tatsache, dass Jüngst und ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Falk Schreiber
Die drei Künstlerfiguren, um die herum sich nacheinander die Kulturkämpfe von Thomas Melles «Ode» entfalten, sind eines schon mal nicht oder zumindest nicht in reinster Form: weiße, heterosexuelle Normalmänner aus dem Bürgertum. Die Konzeptkünstlerin und Direktorin der Kunstakademie Anne Fratzer, die die Öffentlichkeit mit einer unsichtbaren Luft-Skulptur unter...
Ohrenbetäubendes Unheilsdröhnen, Gewitterbeats und elegisches Gewummer. Dazu dreht sich ein metallbeschlagenes viereckiges Monstrum in der Bühnenmitte, um das sich auf Kniehöhe eine kleine Sünderbank schlängelt. Das Licht im neblig trüben Raum kommt nur funzelig von oben und leuchtet steil wie in eine Untergangskathedrale. Drunten auf dem Bühnenboden kringeln und...
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
