Festival 2: Nichts zu gewinnen
Wann war man eigentlich zum letzten Mal tanzen? Ewig her, natürlich: Clubs sind in der Pandemie wahrscheinlich die Orte, die als allerletzte geöffnet werden, weit nach den Theatern. Aber immerhin das Hamburger Produktionshaus Kampnagel kehrt mit seinem jährlichen Live Art Festival gerade rechtzeitig zum Lockdown-Ende zurück zur körperlichen Kopräsenz, und gleich bei der ersten gezeigten Produktion darf das Publikum tanzen.
Unter freiem Himmel, vereinzelt über genau festgelegte Zonen auf der Kampnagel-Plaza verteilt.
Täglich veranstaltet der chilenische Choreograf Jose Vidal hier eine «Collective Movement Intervention»: 60 Minuten lang wiegen sich Körper zu suggestiven Beats, und Vidal orchestriert die kollektive Choreografie per Headset. Ein wenig hat das etwas von einem Selbstfindungsseminar, und Vidals Anleitungen erinnern unangenehm an Motivationstrainings, allein: Tatsächlich sehen die mal überraschend synchronen, mal etwas ungeschickten Bewegungsabläufe künstlerisch interessant aus, tatsächlich denkt die «Collective Movement Intervention» Tanz aus dem Geist der Immersion neu, tatsächlich entsteht für Augenblicke so etwas wie ein kollektiver Körper. Und wann hatte man so etwas ...
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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Falk Schreiber
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