Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Am Berliner Maxim Gorki Theater unterscheidet Yael Ronen mit Isaac Singers Roman «Feinde – die Geschichte einer Liebe» sehr klar zwischen Mann und Frau, während Marianna Salzmann in «Meteoriten» die Verwirrungen der Geschlechteridentitäten in die Normalität überführt

Wollte man das Berliner Maxim Gorki Theater, das Shermin Langhoff und Jens Hillje seit drei Jahren auf Erfolgskurs halten, auf einen Nenner bringen, könnte noch immer das Begriffspaar herhalten, mit dem sich Shermin Langhoff zuallererst ins Berliner Bewusstsein hineinschrieb: «Beyond Belonging» hieß das Festival, das sie 2006 erstmals im HAU kuratierte. Damals noch ganz bezogen auf Herkunftszugehörigkeiten jenseits des «Autochthonen» (auch so ein Wort, das vor zehn Jahren noch kein Mensch kannte).

«Postmigrantisch» waren die Künstler, die Langhoff ans HAU brachte, «postmigrantisch» hieß die Überschrift, die sie 2008 dem Ballhaus Naunynstraße gab. Herkunft sollte keine Rolle mehr spielen, Zuschreibungen demontiert werden. Der Abschied von der festgeschriebenen Zugehörigkeit, die man auch «Identität» nennen kann, war eine leuchtende Utopie der Selbstentfaltung, die am Gorki weitergedacht wurde zur Geschlechtszugehörigkeit. Beyond belonging hieß: Jeder kann sein, was er sein möchte, die fixen Kategorien werden zur Disposition gestellt.

Das klingt gut, und es ist schwierig. Vor ein paar Monaten ließ sich die Kehrseite der Identitätsfreiheit schon in Olga Grjasnowas «Die juristische ...

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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt