Fabrik und Fashion
Elfriede Jelinek hat eine neue dramatische Strategie erfunden: das Sekundärdrama. Dieses sei, so die Autorin, von seinem «Wirt», dem Primärdrama, abhängig und dürfe nur gemeinsam mit ihm aufgeführt werden. Nach Faust («FaustIn and out») hat sich Jelinek nun Ibsens «Nora» vorgeknöpft. Der eigens für das Düsseldorfer Schauspielhaus verfasste Epilog «Nach Nora» spült hoch, was wir Modekonsumenten und Fashionvictims verdrängen bzw.
ignorieren: «Immer waren wir schon schlau und haben es woanders produzieren lassen […] damit wir den Dreck nicht hier haben und ständig anschauen müssen. Da vergeht es uns ja!» Doch so entlarvend «Es» in typisch Jelinekscher Manier auch plappert, der kurze Text über die sich immer rascher verbrauchende Mode, die sich gottgleich gerierenden (Mode-)Schöpfer und die Brände in den Kleiderfabriken in Bangladesch wirkt selber wie mit der heißen Nadel gestrickt.
Vielleicht ein Grund, warum Dusan David Parizek noch eine frühe Nora-Umschrift Jelineks in seine Inszenierung einbaut: «Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte» (1979). Emanzipatorisch gestimmt, heuert Nora hier nach Verlassen ihres Mannes in einer Fabrik an und wird mit den ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Chronik Düsseldorf, Seite 56
von Natalie Bloch
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