Erkenntnis! Energie! Bewusstsein!
Theater heuteHerr Rühle, was missfällt Ihnen so vehement am zeitgenössischen deutschsprachigen Theater?
Günter RühleBei den augenblicklichen Entwicklungen am Theater geht es nicht um Missfallen, sondern um die Veränderungen, die wir Theaterbesucher mit unseren Erlebnissen und mit unseren Vorstellungen von Kunst und der Funktion von Theater in Verbindung bringen. Diese Veränderungen können wir nicht mehr sympathetisch
begleiten, weil wir sie als Verluste empfinden. Ich sage das so deutlich, weil die heutige Kritikergeneration völlig anders bewertet.
Sie haben beim diesjährigen Theatertreffen zum ersten Mal nicht ausverkaufte Premieren. In den Pausen flieht das Publikum.
THDas hat es schon immer gegeben. Erinnere mich gut an Türenknaller bei Schleefs «Vor Sonnenaufgang» und Marthalers «Wurzel aus Faust»
RühleDieses Mal war es besonders auffallend – und ich habe mich zum ersten Mal daran beteiligt! Ich bin ja unbeschränkt leidensfähig im Theater, aber dieses Jahr ist es mir schwer gefallen. Und das hängt mit den Verlusten zusammen. Beispiel: «Kasimir und Karoline». Eine Aufführung, die von außen kalt inszeniert ist. Man merkt deutlich, diese Regisseure haben ihre Bildung aus dem ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Zeitreise, Seite 80
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille
Ewald Palmetshofer kämpft. Das kann man lesen. Hier schreibt niemand, der sich seiner Sprache, seiner Themen oder seiner Kunstgriffe sicher ist. Hier fordert ein Schreiben sich heraus in neue Zusammenhänge. Schon der Titel ist eine Zumutung. Fühlt man sich vom ersten Wort beschimpft, bleibt der Satz danach ein Stummel und ist nur schwer verständlich. Und so geht es...
Sex und Crime, Drugs und Philosophie: das Leben eben. Tragisch, komisch, tragikomisch. Rebekka Kricheldorfs gigantische, hemmungslos ins Absurde getriebene Gesellschafts-Saga in drei Teilen, die moderne Helden-Mythen der Comic-Literatur zu einem Netzwerk aus Abhängigkeiten, Lüsten und Süchten verwebt, beginnt mit Gotham City I – das Stück «Eine Stadt sucht ihren...
... kann sich Karin Beier die Auswertung der Kritikerumfrage 2010 rahmen lassen: Im dritten, auch stadtpolitisch kämpferischen Jahr ihrer Intendanz heben 12 von 42 befragten Kritikern das Schauspiel Köln unangefochten auf den Sockel als Theater des Jahres. Und die Regisseurin Karin Beier gleich mit: Ihre hinter Glas verbannte Prekariatsstudie «Die Schmutzigen, die...
