«Er ist mein Vater»

Dennis Kellys «Die Götter weinen»

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Es war einmal eine Epoche, die man heute als die Aufklärung bezeichnet. Die hatte, lange bevor ihre Ära endlich anbrach, literarische Wegbereiter. Das waren eben jene
Bösewichte Shakespeares, rücksichtslose Söhne und verderbte Töchter, die sich provokativ gegen Denkverbote auflehnten und so die herrschende Weltordnung nicht nur in Frage stellten, sondern kurzerhand und nachhaltig erschütterten. Ist eben diese Aufklärung, die den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit und dem Einfluss kosmischer Gesetze befreit hat, heute, im 21.

Jahrhundert, überhaupt noch zu retten? Oder sind wir Verlorene? Bei dem britischen Autor Dennis Kelly sind die Menschen bereits verloren, bevor die Gewalt in ihr Leben einbricht und sie sich noch in ihren kulturellen Sicherheiten geborgen glauben. 

Mit seinem neuen Stück «Die Götter weinen», das im März diesen Jahres in London uraufgeführt wurde, erzählt Kelly zunächst einmal ein modernes Märchen in einer globalisierten Welt über einen Mann im besten Alter, der den unbesonnenen, nicht rational zu begründenden Entschluss fasst, sein Unternehmen auf die nachwachsende Generation zu verteilen. Kelly gibt diesem Wirtschaftsmagnaten den irischen ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 182
von Beate Heine

Vergriffen
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