Eine in allen

Suse Wächter haucht ihren Puppen nicht nur seit zwanzig Jahren auf vielen Bühnen der Republik Leben und Seele ein, sie baut sie auch selbst. Ein Werkstattbesuch

Nach zwei Stunden Reden gehen wir endlich rüber, einmal quer durch die malerisch unrenovierte Wohnung im nicht ganz so malerischen Teil vom Prenzlauer Berg, da, wo die Altbauten noch nicht in steriler Schönheit zu Tode renoviert wurden. Hier wohnt Suse Wächter seit zwei Jahren, «übergangsweise». Gehen von der Küche durchs Schlafzimmer in das kleine Zimmer, das ihr als Fundus dient für ihre Puppen, die auch in Hannover lagern, in Köln und im Münchner Residenztheater.

Aus einem Karton grinst verschmitzt ein älterer Herr unter der Schiebermütze hervor: unverkennbar Brecht.

Die kleinen Augen unter der Brille (Fielmann, Kinderabteilung) gucken dermaßen lebendig, dass der fehlende Restkörper erst richtig unheimlich wird. Ab 11. Oktober wird Brecht einen ganzen Körper haben und in Oberhausen auf der Bühne stehen. Aus dem Koffer neben Brechts Kiste ragen zwei Beine in grauer Flanellhose. Als Suse Wächter den Deckel zurückklappt, blickt uns Freud an, mit unverwechselbarer Therapeutenmiene, das Gesicht so neutral wie charakteristisch, und die Augen treffen prüfend mitten in die Seele. Das Kind Elfrie­de Jelinek hängt an einer Leiter, die an der Wand lehnt: Riesige traurige Augen starren aus ...

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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Puppentheater, Seite 36
von Barbara Burckhardt

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