Eine Frage des Anspruchs

Ernest Allan Hausmann hat Erfahrung damit, als Schauspieler wegen seiner Hautfarbe engagiert zu werden und viele Rollen nicht spielen zu dürfen. Ein Gespräch über alltäglichen Rassismus im Stadttheater und die Arbeit an der «Schwarzkopie» von «Mittelreich»

Theater heute Herr Hausmann, wann sind Sie denn zuletzt rassistisch angesprochen worden?

Ernest Allan Hausmann Gerade neulich in Wien im Cafe Hummel, Ecke Josefstädter Straße, wohin ich öfter gehe, weil man dort gut Fußball gucken kann. Ich wurde von den regelmäßigen Gästen auch gegrüßt, saß da und habe mich ganz nett mit zwei älteren Herren unterhalten. Auf einmal sagte der eine zu dem anderen wie aus dem Nichts: «Bald leben hier in Europa neun Millionen Neger.

» Das haben sie zwar nicht direkt zu mir gesagt, aber laut genug, dass alle im Raum es hören mussten. Ich wollte sowieso gerade los und habe dann noch einen schönen Tag gewünscht. Im Hinausgehen kam dann noch: «Ist auch besser, dass du jetzt gehst.» Dabei hatten wir uns noch kurz vorher völlig normal unterhalten. Völlig normal. 

TH Passiert so etwas öfter?

Hausmann Nein, ich glaube, das war ein speziell Wiener Moment. Dort ist man einfach sehr selbstverständlich rechtskonservativ. 

TH
Hat sich da etwas verschoben seit der letzten Wahl? 

Hausmann Ich denke schon. Das sieht man auch in Deutschland, wenn der neue Innenminister gleich zum Amtsantritt verkündet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Oder der neue bayerische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2018
Rubrik: Diversity, Seite 4
von Eva Behrendt und Franz Wille

Weitere Beiträge
Frankfurt: Ein bisschen Herzenswärme

Alkmene schreit. Sie kreischt, sie bäumt und biegt sich. Sie taumelt ein paar Schritte, von einer Seite zur anderen. Sie ist schier besinnungslos vor Verzweiflung, steht ihr Gatte Amphitryon doch gleich zwei Mal vor ihr – ohne dass sie wüsste, welcher der beiden Männer im grauen Anzug der Wahre, der Richtige ist. Und als sie es zu wissen glaubt und dem anderen ihre...

Stadt Marketing: Der große «Faust»-Wirbel

Nein, es gibt keinen äußeren Anlass, warum tout Munich nun schon seit Februar und noch bis zum Sommer im «Faust»-Fieber schwelgt. Jeder ist eingeladen, und alle sind gekommen. Zwischen 100 und 500 Veranstaltungen sollen es sein, keiner weiß das so genau, Lesungen, Aufführungen, Konzerte, Spaziergänge sprießen wie die Frühlingszwiebeln. Die Paulaner-Brauerei lockt...

Bochum: Wo bitte geht’s zum Untergang?

Hinter Stäben bald keine Welt mehr. Eine Lichtorgel- und Lichtstab-Installation kreist auf Volker Hintermeiers Drehbühne, in deren Mitte mächtig drohend ein angefressener, verkohlter Erdball den Verfall ankündigt. Es rumort und grollt von der Tonspur, als würden in weiter Ferne Züge rangiert. 

Lars von Triers zweistündige Missa Solemnis vom Weltuntergang (2011)...