Eine Frage der Perspektive

Zum Spielzeitauftakt wirft am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Stephan Kimmig mit Luchino Viscontis «Der Fall der Götter» einen langen Blick zurück in Nazi-Zeiten, als die Politik die Wirtschaft vereinnahmte. Und Philipp Löhle erforscht die Realität der globalisierten Wirtschaftswelt aus der Sicht vom «Ding», einer Baumwollflocke.

Leicht hat es das Hamburger Schauspielhaus schon eine ganze Weile nicht. Nach dem abrupten Ende der glücklosen fünfjährigen Intendanz Friedrich Schirmers im September 2010, begründet mit den Einsparungen, die Reinhard Stuth, der kürzest amtierende Kultursenator aller Zeiten, als Highlight seiner sechsmonatigen Amts­zeit dem Schauspielhaus verordnete, gelang es den Interimsleitern Jack Kurfess und Florian Vogel zwar, die Kürzungen moderater zu verhandeln.

Doch künstlerisch ist bis zum Amtsantritt Karin Beiers 2013 der schwer zu steuernde Riesendampfer mit dem alten Ensemble im Interim schwer auf Kurs zu halten. Man versucht, das große Haus vollzukriegen, mit «Stars» wie Dominique Horwitz, der hier den Cyrano spielt, oder Stephan Kimmig, dessen Popularität in Hamburg aus seiner langen Arbeit am Thalia Theater resultiert, von dem er mit Ulrich Khuon nach Berlin wegzog. Jetzt ist er zurück, am Konkurrenzhaus und kassentauglich angepriesen als «Spezialist für den Mikrokosmos Familie». Familie geht immer, und die Familie im «Fall der Götter» steht für mehr als Kleinkrieg am Frühstückstisch: für Wirtschaft und Krise, die Themen der Stunde.

     1969, 2000, 2011

Diese Familie heißt von ...

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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 21
von Barbara Burckhardt

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