Ein Quantum Trost

Bochum: Frank Abt inszeniert «Superstars» an den Kammerspielen

Auf den fünf Monitoren, die in die fünf Drehwände auf der Bühne eingelassen sind, sieht man nacheinander die Köpfe der Beteiligten. Es sind Schauspieler und Musiker am Bochumer Schauspielhaus, die sich hier vor der Videokamera als Privatpersonen vorstellen, erzählen, was sie von der Produktion «Superstars» erwarten, dass sie kein Instrument spielen oder nicht singen können und dass sie sich freuen und aufgeregt sind. Es sind sympathische Gesichter mit einer angenehmen Ausstrahlung. Offenbar keine Fakes, sondern authentische Interview-Mitschnitte.


Jele Brückner teilt mit, dass dies ihre letzte Spielzeit in Bochum nach zehn Jahren ist; Marco Massafra, dass er auch nächstes Jahr hier spielen wird. So sind in diesem Intro Realität und Fiktion miteinander verzahnt. Die mit Vorfreude gemischten bangen Erwartungen der Schauspieler verweisen auf die notorisch gemischten Gefühle der zahllosen Menschen in Deutschland und anderswo, die sich immer wieder den strengen und oft tyrannischen Regeln einer Casting-Show unterwerfen, um Mitbewerber auszustechen und Schauspieler oder Popstar zu werden und Andy Warhols viel zitiertes Diktum zu widerlegen, man werde allenfalls «für 15 Minuten» berühmt.

Es ...

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Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Martin Krumbholz

Vergriffen
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