Drei Gänge in die Tiefe

Am Maxim Gorki Theater kann Dimitrij Schaad, geboren in Kasachstan, als Schauspieler mit dem arbeiten, was ihn unterscheidet

Theater heute - Logo

Stefan, ein beflissener Abendkurs-Deutschlehrer, hat sich hart an die Belastungsgrenze geschuftet. Sein regulärer Job ist dabei nicht das Problem; schweißtreibend sind die ehrenamtlichen Nachtgedanken. «Wie kann ich den Konflikt im Na­hen Osten lösen?», kreiselt es im Kopf des Neuköllner Jung-Pädagogen. Seine Schüler, deren Biografien buchstäblich vielseitig mit dem Nahost-Konflikt verknüpft sind, geraten schon über Lektion eins – «Wer bist du?» – in Erklärungsnöte und Zwistigkeiten, denen selbst auf philologischem C2-Niveau schwer beizukommen ist.

Dimitrij Schaad spielt diesen wackeren Geduldspädagogen in Yael Ronens jüngstem Abend «The Situation» am Berliner Maxim Gorki Theater eine Stunde lang als grandiosen Empathie-Eiferer auf verlorenem Posten – mit einem wohldosierten Schuss Pionierleiter-Übergriffigkeit. Bis er plötzlich ausrastet: «Stop talking!», brüllt er seine wild durcheinander streitenden Schüler zusammen. «Learn German!»

Und dann hält Dimitrij Schaad einen jener Monologe, für die er inzwischen berühmt ist am Gorki. «Stefan ist nicht mein richtiger Name», outet er sich. «Ich heiße Sergej – und bin ein Meisterwerk der Integration!» Sergej, erzählt der Schauspieler, sei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Detmold: Im Nebel

Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen,...

Ich ist ein Arschloch

Ich bin auch nur ein Arschloch», outete sich Milo Rau unlängst in der Schweizer «Sonntagszeitung». Der Grund, in Kürze: Unser aller eurozentristische Betroffenheitskultur – vulgo: Mitleid – angesichts der weltpolitischen Lage verschiebe real zu führende Debatten in symbolische Entlastungsräume und mache uns somit zu «zynischen Humanisten».
Knackige, aber korrekte...

Zehn Punkte für KünstlerInnen, die mit Geflüchteten arbeiten wollen

1. Prozess, nicht Produkt
Wir sind keine Ressource für dein nächstes künstlerisches Projekt. Du magst in deiner speziellen Kunst talentiert sein, aber denke nicht, dass das automatisch zu einem ethischen, verantwortlichen und selbstbestimmten Prozess führt. Beschäftige dich mit der Entwicklungsdynamik von Gruppen, aber bedenke auch, dass es keine absolut...