Doppel-Whopper de luxe

Wird Theater politisch, wenn die Angebote wachsen oder wenn die Restriktionen zunehmen? In Freiburg dachte das Festival «Politik im Freien Theater» diesmal über «Freiheit» nach

Das menschliche Sandwich, lange nicht gesehen, gibt es bei Doris Uhlich als Doppel-Whopper de luxe: Vier nackte Schauspieler, teils mager, teils fülliger, liegen wie Scheiben übereinander, stoßen mit kurzen Zuckungen Bäuche gegen Rücken. Und das weiche Fleisch vibriert, zittert, klatscht, als wolle es die Stille des Raumes in Schwingung versetzen. Bald werden wieder wuchtige Elektrobeats aus den Lautsprechern dröhnen.

Dieser Ruckel-Burger ist eines von einer Vielzahl anrührend komischer Körperbilder, in denen die Choreografin Doris Uhlich hier ihre seit einigen Jahren kraftvoll formulierte Künstlervision fortschreibt: Erkundungen des Tanzes jenseits der Hochglanzästhetik und Hochglanzathletik. In kleinen Skulpturen, klassischen Tanzfiguren, Pas de deux, Ringelreihen, yogahaften Streckungen und schüchternen Massagen feiern Uhlich und ihre unbekleideten, größtenteils unprofessionellen, aber bestens eingestellten Akteure in «More than naked» die Schönheit unnormierter Leiblichkeit. Und Uhlich selbst steht als D-Jane im silbernen Hipster-Blouson an den Turntables, spielt Synthie-Pop und Classic Rock und ist konsequenterweise von der Gürtellinie abwärts nackt.

«Freiheit» lautete ein ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Freie Szene, Seite 40
von Christian Rakow

Vergriffen
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