Es lebe der Zentralfriedhof

Dimitré Dinev «Eine heikle Sache, die Seele», Gert Jonke «Freier Fall»

Dem Wiener wird ein gewisser Hang zur Todessehnsucht nachgesagt. Wie zur Bestätigung dieses Klischees wurden gegen Ende der Spielzeit an zwei Wiener Bühnen Auftragswerke uraufgeführt, die vom Tod handeln, sich davon aber nicht die gute Laune verderben lassen.

Der 1990 nach Wien emigrierte Bulgare Dimitré Dinev, der auf Deutsch schreibt und inzwischen österreichischer Staatsbürger ist, hat aus seiner Erzählung «Die Totenwache» das Stück «Eine heikle Sache, die Seele» gemacht.

Dem bulgarischen Gastarbeiter Nikodim ist in der Mittagspause ein Kübel auf den Kopf gefallen, weshalb er jetzt im Schlafzimmer seiner Wiener Wohnung aufgebahrt ist. Neben der Witwe und einer professionellen Klagefrau haben sich vier Arbeitskollegen (ein Österreicher, ein Bulgare, ein Rumäne und ein «Jugo») zur Totenwache versammelt; später stoßen auch noch eine Prostituierte (die sich als Studentin des Fachs «Internationale Beziehungen» vorstellt) und drei Musiker dazu.

Im Volkstheater stellt die Bühne (Alexander Müller-Elmau) eine Mischung aus Leichenschauhaus (gekachelte Wände) und Wohnküche dar. Auf dem Tisch steht eingelegtes Gemüse, im Waschbecken werden Plastikflaschen gekühlt, in denen sich ...

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Theater heute Juli 2008
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Wolfgang Kralicek

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