Diese entsetzliche Lücke!
Profiteure gibt es immer, auch wenn die Gletscher schmelzen. In der sibirischen Kältekammer Jakutsk machen sich Mammutdealer daran, vom Permafrost befreite Mammutzähne auszugraben, schließlich lässt sich Fairtrade-Elfenbein auf dem Markt gut verkaufen, für die Stoßzähne aus dem Eis musste schließlich kein Elefant sterben. In der Schweiz hingegen verschwindet der Gipfel des Matterhorns: «Das Bergpanorama / ist immer noch ein Bergpanorama / aber mit einem Loch in der Mitte / Diese entsetzliche Lücke.» Touristisch ist das ein Desaster.
Postkarten müssen neu gedruckt werden, und noch schlimmer: Die Verpackung der Toblerone-Schokolade muss verändert, jeder einzelne Riegel aus dem Regal genommen und eingeschmolzen werden, weil die dreieckige Form nicht mehr stimmt.
Schmerz und Scherz gehen in Selma Matters Klimastück «Grelle Tage», das nun im Wiener Schauspielhaus uraufgeführt wurde (Regie: Charlotte Lorenz), leichtfüßig Seit an Seit. Drei Standorte, die untereinander verschränkt sind – die Handlung spielt zum Großteil parallel –, schlagen sich mit den verheerenden Auswirkungen der Klimakrise herum. Während in Jakutsk Häuser im Schlamm versinken und Archäologen und Mammutjäger sich um ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Karin Cerny
Diese Frau, Lydia Tár, ist zu gut, zu schön und zu erfolgreich, um ganz wahr sein zu können. Sie hat als Komponistin und Dirigentin Ehre und Ruhm, ist die erste Dirigentin des berühmten Berliner Orchesters und hat nebenbei, als Schülerin Leonard Bernsteins souverän zwischen E und U unterwegs, noch den Grand Slam der Unterhaltung gewonnen, Emmy und Grammy, Oscar und...
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt...
Architektonisch wirkt das Stadttheater Gießen wie ein Schatzkästchen aus einer anderen Zeit: Es liegt am vierspurigen, stark befahrenen Innenstadtring, gegenüber von brutalistischen Nachkriegsbauten wie dem Kongress- und dem Behördenzentrum. Ein kompakter klassizistischer, 1907 eröffneter Bau mit Freitreppe und hohen Jugendstilfenstern im ersten Stock. Diese sind...
