Die vorletzten Tage der Menschheit
Zum Glück geht Gott nicht ins Theater. Er wäre einigermaßen entsetzt, wie heruntergewirtschaftet seine Schöpfung ist. Er hatte zwar nur sieben Tage Zeit, die Welt zu erschaffen, trotzdem verdient er nicht, was ihm der Hamburger Dramatiker Wolfram Lotz da in seinen beiden Hörspielen «Das Ende von Iflingen» und «In Ewigkeit Ameisen» (beide 2007 verfasst), die nun im Wiener Akademietheater zu einem Abend zusammengefasst wurden, um die Ohren knallt. Nicht nur die Menschheit ist eitel und verkommen, auch seine Engel sind unfähig.
Gleich zu Beginn seilen sich der Erzengel Michael mit imposantem Schwert (Christiane von Poelnitz) und sein begriffsstutziger Hilfsarbeiter Ludwig (Katharina Lorenz), der bloß eine Posaune mitgebracht hat, vom Schnürboden ab. Ihr Auftrag ist klar: Es ist der Tag des jüngsten Gerichts, sie sollen in einem Kaff namens Iflingen die Menschen zu Asche schlachten. Aber die beiden haben die Rechnung ohne das Dorf gemacht. Welches Haus sie auch betreten, keiner sitzt, wie in Gottes Drehbuch vorgesehen, vor dem Fernseher. Alle sind verschwunden.
Aberwitz Apokalpyse
Gottes Planlosigkeit und des Menschen Anteil: Auch im zweiten, titelgebenden Text «In Ewigkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Karin Cerny
An diesem Münchner Winterabend herrscht längst Nacht, als nach neuneinhalb Theaterstunden die Sonne aufgeht. Eben haben Maja Beckmann, Majd Feddah, Gro Swantje Kohlhof, Wiebke Mollenhauer, Peter Brombacher (dessen Rolle mittlerweile Jochen Noch übernommen hat) und Benjamin Radjapour auf Kothurnen und Kunstrasen Fußball gespielt, was eher nach paralympischem...
Am Anfang ist scheinbar noch alles in Ordnung: ein detailgetreu nachgebautes Zimmer einer Arbeiterwohnung im New York der 50er Jahre. Damals gab es in den USA schon, was uns heute umtreibt: illegale Einwanderung. Und am Ende hat dieses Problem die ganze falsche Ordnung aufgelöst. Von der tristen Ordnung zum schönen Chaos, von Realismus zu abstrakter Symbolik, das...
40 ist die Panikgrenze. Diese 40, in Worten «fourty», flammt weiß und drohend über der dunklen Bühne auf: Wer jetzt kein Kind hat, macht sich keines mehr, lautet der Subtext dieser harmlosen Ziffern, der Frauen bis heute eingeimpft wird. Das ist biologistisch und in Zeiten von «Social Freezing» nicht mehr ganz aktuell. Doch bei Casting-Agentin Anna hat es...
