Die Unbestechliche

Warum Jana Schulz Shakespeare und hohe Schuhe hasst

Theater heute - Logo

Es ist riskant, als Regisseur über Schauspieler zu schreiben, mit denen man gerne weiter arbeiten möchte. Das soll schon zu Trennungen geführt haben. Andererseits ist die Gefahr groß, dass das Geschriebene leicht austauschbar wirkt, so wie jeder noch so persönlich gemeinte Liebesbrief letztlich verwechselbar klingt. Und einem Menschen wie Jana Schulz, der sich in einer solchen schonungslosen Unbedingtheit auf der Bühne zeigt, wird man mit gängigen Beschreibungen, die einem so einfallen, nicht gerecht. Jana sprengt alle herkömm­lichen Kriterien, Definitionen prallen an ihr ab.

Das Sperrige, alles, was nicht in den Koffer passt, macht Jana aus.

Auf der Bühne fängt Jana da an, wo viele andere aufhören – jenseits der konkreten Lesbarkeit. Umso mehr möchte man als Zuschauer in ihren Kopf hineinsehen. Die Tatsache, dass wir niemals wissen, was unser Gegenüber wirklich denkt oder fühlt oder durchmacht, ist eine konstante Quelle von Faszination. Die Zerrissenheit und Unbegrenztheit, die sie auf der Bühne lebt, wird von allen bewundert und geliebt – vom Publikum, von Männern und Frauen gleichermaßen, von den Kollegen, selbst von Kritikern, was bei ihrer speziellen Art von Widerspenstigkeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 96
von Karin Henkel

Weitere Beiträge
«Ach, Geschichte. Ah, Leben» – Wie Geschichte erzählen?

Aber die Erinnerung kommt nie von vorne auf einen zu – sie kommt seitlich um die Ecke. Allem, was ich sah und hörte, war ich gewissermaßen ausgeliefert. Anstatt dass ich die Gegend nach ihr abjagte, begann sie mich plötzlich in meiner Seele herumzujagen. Sie jagte mich!» Diese Sätze, ich las sie unlängst in einer Erzählung von Carson McCullers, ließen mich...

Angriffe auf A

Drei Personen, der Autor des Stückes nennt sie modellhaft A, B und C, wollen «eine ganz normale Geschichte erzählen». Eine Geschichte von A, vom normalen Leben, von normalen Problemen, von Familie, Job und Ich.

Doch ihre Spielanordnung läuft aus dem Ruder. A sieht sich plötzlich aus allen Richtungen angegriffen. Nach zehn Seiten müssen die Spieler erst­mals...

Das Visier immer oben

Du, Bibiana, bist ein streitbarer Geist, von einer enormen Wachheit und Aufmerksamkeit und einer großen Bereitschaft zum Mitdenken, so dass man sich als Regisseur bis zur Premiere und darüber hinaus in einem Gespräch mit Dir befindet, in dem Lob wie eine unstatthafte Unterbrechung der gemeinsamen Arbeit wirken würde. Lob hat ja immer auch etwas Gefährliches, weil...