Ermittlung gegen ein Schaubild

Peter Handke «Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten»

Man kann sich Peter Handke gut vorstellen, wie er frühmorgens am Rand eines noch leeren Platzes – nicht im Zentrum der Metropole, eher in der Vorstadt – im Café sitzt, schaut und protokolliert, wie das Leben erwacht. Aber natürlich ist er nicht der bloße Zuschauer, wie er sich gern stilisiert. Die wimmelnden Menschen werden ihm zu Figuranten eines neobarocken Welttheaters, deren gleichmütiger Schöpfergott er ist, ohne dass ihn deren Motive zu interessieren brauchen.

Das kann er in dem «Schauspiel» genannten, 1992 uraufgeführten Treatment «Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten» umso leichter, als kein Wort gesprochen wird. Zwölf Blitzepisodendarsteller jagen durch geschätzte 350 Rollen, von städtischen Alltagsmenschen, operettigen Bauers-, Jägers- und Fischersleuten bis hin zu Märchen- und Mythenpersonal.

 

Graz erlebt zur Zeit, wie eine ganz und gar antikontemplative, heißhungrig am Leben interessierte, mit Live-Video bewaffnete Fantasie in das poetische Schaubild eindringt – und siehe da: Es entsteht eine multiperspektivische Großstadtsymphonie von ganz eigener Poesie. Viktor Bodó, der 31-jährige ungarische Theatermacher – in Graz durch seine «Alice» bereits Kult –, hat ...

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Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andres Müry

Vergriffen