Die Stadt, der Müll und die Kinder
Besucher überrascht Brüssel mit seltsamen Raumerfahrungen. Man passiert etwa den riesigen Justizpalast und steht plötzlich vor einem Fahrstuhl im Freien, der einen hinab in die Unterstadt bringt, als ginge es geradewegs zum Schafott. Sobald eine Straße hübsch oder elegant zu werden droht, stellt sich eine brutalistische Wand aus den Siebzigern oder eine düstere Kirchenfassade aus dem Barock in die Sichtlinie.
Und vor der gerade in den Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung geschmückten Börse im Zentrum findet man sich in einem Meer verwelkter Blumen wieder: eine der wenigen sichtbaren Narben der Terroranschläge vom 22. März.
«Es gibt keine Harmonie in Brüssel», lacht Christophe Slagmuylder, angesprochen auf das widersprüchliche Stadtbild. Der gebürtige Brüsseler und künstlerische Leiter des Kunstenfestival des Arts führt es auch auf den gerade wieder aufbrechenden Dauerkonflikt, das «belgische Problem» zwischen Flamen und Wallonen zurück, das sich durch sämtliche politische und soziale Institutionen und selbst die Medien zieht: «Belgien ist eigentlich ein ‹failed state›», meint er, «die letzte Regierungsbildung hat 200 Tage gedauert. Brüssel ist der Ort, an dem Kompromisse ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Ausland, Seite 31
von Eva Behrendt
Vor eineinhalb Jahren deutete Daniel Lommatzsch in dieser Zeitschrift an, dass ihn das Theater künstlerisch gar nicht mehr so wahnsinnig interessieren würde, sein Thema sei aktuell primär das Kino (TH 01/15). Wobei dieses Interesse damals schon befriedigt wurde, der gefeierte Thalia-Schauspieler steckte zum Zeitpunkt des Gesprächs tief in der Arbeit an seinem Debüt...
Manche Hunde sind auch nur Menschen. Genauer gesagt: Sie sehen zwar aus wie Menschen, sind aber eigentlich Hunde. «Hundsch» heißt das merkwürdige Zwitterwesen, von dem man bisher nie etwas gehört hat. Und wenn die Menschen einmal einem von ihnen begegnen, dann halten sie ihn für schizophren und stecken ihn in die Psychiatrie. Einzig der Verein Canis Humanus hat das...
Sie kleiden Kaiser und Clowns, Huren und Hausfrauen, Professoren und Proleten, Kinder und Greise. Im besten, im perfekten Falle so, dass wir nichts zu sehen glauben. Es ist wie mit der Filmmusik: Sie fällt nur auf, wenn sie nicht gefällt. Einige dicke Bücher über die Schaubühne habe ich noch einmal studiert, um mir die Arbeit von Moidele Bickel, die am...
