Die Ruhe nach dem Sturm

Das Mainfranken-Theater in Würzburg erholt sich langsam von Misswirtschaft, Intendantenwechseln und kulturpolitschen Querelen aller Couleur

In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut und Arbeitslosigkeit in eine ungewisse Zukunft, kehren der schönen Stadt nicht ohne Wehmut den Rücken.

Nur zwei von ihnen werden nach einer Odyssee zurückkehren, zerlumpt, ohne Illusionen und noch immer ohne Perspektive – wie «barfüßige Skelette»: «Sie taten die letzten Schritte hügelan und verharrten: Vor ihnen, im Tale, lag die Heimatstadt, die der Main in zwei Teile schneidet», schreibt Frank.

Im vergangenen Jahr schickte Fritz Kater den Schreiber, den Schneider und den Arbeiter noch einmal los. Auf der Bühne waren sie jetzt schon «3 von 5 Millionen», was zeigte, dass sich die Zeiten nicht geändert hatten, im Gegenteil: «drei männer gingen aus der stadt würzburg hinaus (...) von 5 millionen arbeitslosen 3 / ein ziel hatten sie nicht / arbeit gab es nirgends / sie gingen einfach los.» Auch in Katers Stück stellt sich für ...

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Theater heute März 2006
Rubrik: Das weite Land, Seite 34
von Bernd Noack

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